Der Tod eines eigenen Kindes – in welchem Alter auch immer – ist eines der größten Tabuthemen unserer Zeit, verständlicherweise, denn ein solcher Schicksalsschlag ist kaum vorstellbar – alles in uns sträubt sich gegen eine solche Vorstellung.

Die Totengedenktage im November sind in unserer Tradition tief verankert. Einer dieser Tage hat in Laupertshausen seit ein paar Jahren eine zusätzliche, besondere Bedeutung für alle, die um ein Kind trauern: Immer um den 22. Mai wird in der Kirche St. Jakobus und Pelagius in Laupertshausen ein katholischer Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder gehalten.

Die Initiative hierzu kam von Familie Schädler, deren erstes Kind Sophia am 22. Mai 2011 verstorben ist. Zum ersten Jahresgedenken wollten sie nicht nur einen gewöhnlichen Gottesdienst. Es sollte ein kindgerechter Gottesdienst werden mit Texte, die versuchen, die Gefühle Trauernder in Worte zu fassen. Texte, die vom Loslassen, von der Trauer und der Leere erzählen. Texte, die Fragen stellen und anklagen, und solche, die die Erinnerung suchen. Texte aber auch, die Hoffnung geben und Wege zurück ins Leben zeigen wollen. Denn bei all den Fragen und Anklagen, die Sie in der Trauer um Ihr Kind aber auch wir in vielen einsamen Stunden vor Gott gebracht haben und bringen, bei aller Suche nach dem Grund und auch in dem verzweifelten Ausruf: „Gott, warum durfte dieses Kind, dieser Mensch nicht leben?“ spüren wir doch, vielleicht erst nach vielen Monaten und Jahren, es ist Gott allein, von dem ein Funke Hoffnung kommen kann.

So wurde 2012 zum ersten Mal in der Gemeinde ein Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder gefeiert. Eingeladen sind Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde verstorbener Kinder sowie alle Menschen, die sich verbunden fühlen – offen für alle, die um einen lieben Menschen trauern.

Alle Kinder gehören dazu, sei es dass sie winzig klein waren, vielleicht schon während der Schwangerschaft gestorben sind oder schon älter oder längst erwachsen waren.

Selbst wenn jemand schon eine eigene Familie hatte: für Eltern ist der Tod eines Kindes eine Tragödie, die sich niemand, der es nicht erlebt hat, vorstellen mag oder kann.

Auch wenn der Tod schon lange zurückliegt: Ein Kind, das gestorben ist, bleibt für immer ein Teil der Familie. Die meisten Betroffenen erleben, dass die Trauer sich zwar im Laufe der Jahre verändert, aber nie ganz vorbei ist. In unserer schnelllebigen Alltagswelt, die dafür kein Verständnis hat, setzt der Gottesdienst ein wichtiges Signal. „Es ist das einzige Mal im Jahr, dass der Name unseres Kindes noch öffentlich genannt wird. Schon das allein tut gut.“ So äußern sich Eltern, deren Kinder vor etlichen Jahren gestorben sind, nach dem Gottesdienst.

Außerdem heißt Erinnerung an das verstorbene Kind ja auch, sich die vielen schönen Erlebnisse vor Augen zu halten und dankbar an den Sohn oder die Tochter zu denken: „Wie gut, dass du da warst“.

Trotz der Schmerzen nach dem Verlust des Kindes bleibt immer die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.

Einen weiteren, noch relativ jungen Gedenktag, den nicht so viele Menschen kennen, gibt es im Advent – einer Zeit, in der die meisten Menschen eine fröhliche Grundstimmung haben und die für Trauernde oft schwer auszuhalten ist:

Den Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder.

Das Besondere an diesem Tag ist ein tröstliches Trauerritual, das Worldwide Candle Lighting (das weltweite Kerzenleuchten). Für alle verstorbenen Kinder wird eine Kerze angezündet mit dem Gedanken, ihr Licht möge für immer scheinen. Die Idee kommt von den „Compassionate Friends“ in den USA, einer Vereinigung von verwaisten Eltern und Geschwistern. Die Initiative wurde 1997 ins Leben gerufen und hat sich schnell als Weltgedenktag etabliert.

Jedes Jahr am 2. Sonntag im Dezember stellen Betroffene rund um die ganze Welt um 19.00 Uhr brennende Kerzen in die Fenster. Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so dass eine Lichterwelle 24 Stunden die ganze Welt umringt. So entsteht das Bild eines Lichterbandes, das alle miteinander verbindet.

„Jedes Licht steht für das Wissen, dass diese Kinder das Leben erhellt haben und dass sie nie vergessen werden. Das Licht steht auch für die Hoffnung, dass die Trauer das Leben der Angehörigen nicht für immer dunkel bleiben lässt. Das Licht schlägt Brücken von einem betroffenen Menschen zum anderen, von einer Familie zur anderen, von einem Haus zum anderen, von einer Stadt zur anderen, von einem Land zum anderen. Es versichert Betroffene der Solidarität untereinander. Es wärmt ein wenig das kalt gewordene Leben und wird sich ausbreiten, wie es ein erster Sonnenstrahl am Morgen tut.“

 

Einladung zum Weltgedenktag für verstorbene Kinder am 8. Dezember

 

Zu einer besinnlichen Gedenkfeier für alle verstorbenen Kinder egal ob im Mutterleib oder in späteren Jahren, laden wir alle betroffenen Familien, Verwandte und Freunde ein.
Alle die um einen lieben Menschen, Familienangehörigen oder Freund trauern sind herzlich willkommen.

Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder und Familienangehörige
Samstag, 2. November 2019 / St. Michael Kirche / Aßmannshardt

 

„Brücke der Erinnerung und Liebe“
Gedenkfeier für verstorbene Kinder und Jugendliche
am Samstag, den 6. Juli 2019, um 18:30 Uhr
in der Kirche St. Jakobus und Pelagius in Laupertshausen

Herzliche Einladung an betroffene Familien, deren Freunde und alle, die sie begleitet haben sowie an alle Menschen, die sich verbunden fühlen – offen für alle, die um einen lieben Menschen trauern. Eingeladen sind auch Eltern, die ihr Kind während der Schwangerschaft, bei oder kurz nach der Geburt verloren haben.